Einzelhandel Kompakt Neue Umweltregeln, Kartenzahlung und steigende Logistikkosten: Was lokale Händler diese Woche prüfen sollten
25.09.2026
Einzelhandel Kompakt
Neue Umweltregeln, Kartenzahlung und steigende Logistikkosten: Was lokale Händler diese Woche prüfen sollten
23. September 2026 | Von Norbert Bauer – Lokales Marketing24
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Ab 27. September 2026 gelten strengere Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitswerbung – Händler sollten ihre Aussagen und Siegel jetzt prüfen. IHK
- Eine mögliche Pflicht zur Akzeptanz digitaler Zahlungsmittel ist politisch im Gespräch, aber noch keine allgemein geltende Pflicht – Kosten und Verfahren sollten trotzdem auf den Prüfstand. Einzelhandel
- Dienstleistungen rund um Transport und Logistik haben sich deutlich verteuert – für Händler wird eine saubere Kalkulation von Beschaffung und Lieferkosten wichtiger. Statistisches Bundesamt
🔴 Thema der Woche
1. Neue Regeln gegen Greenwashing: Ab 27. September wird es ernst
Die Meldung
Ab dem 27. September 2026 gelten in Deutschland strengere Regeln für Umwelt- und Nachhaltigkeitswerbung. Hintergrund ist die Umsetzung der europäischen EmpCo-Richtlinie in deutsches Recht. Besonders betroffen sind allgemeine Aussagen wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimaneutral“ sowie Nachhaltigkeitssiegel auf Websites, in Onlineshops, sozialen Medien, auf Verpackungen und Werbematerialien. IHK
Der Handelsverband Deutschland weist zusätzlich auf ein praktisches Problem hin: Bereits produzierte und bisher rechtskonforme Ware kann Verpackungen oder Kennzeichnungen tragen, die nach dem neuen Regelwerk nicht mehr zulässig sind. Am 21. September meldete der HDE, dass die Regierungsfraktionen eine Ergänzung des UWG anstreben, um unverhältnismäßige Warenvernichtung zu vermeiden. Eine formelle allgemeine Abverkaufsfrist ersetzt das nach Einschätzung des HDE allerdings nicht. Einzelhandel
Was das für lokale Händler bedeutet
Für lokale Händler ist das kein theoretisches Rechtsthema. Schon einzelne Aussagen auf Schaufensterwerbung, Social Media, Produktetiketten oder der eigenen Website können relevant werden. Besonders aufmerksam sollten Händler sein, die Eigenmarken führen, eigene Verpackungen verwenden oder mit Nachhaltigkeit als Verkaufsargument arbeiten.
Entscheidend ist aus meiner Sicht nicht, Nachhaltigkeitskommunikation ganz einzustellen. Entscheidend ist, sie konkreter, überprüfbarer und sauber belegbar zu machen.
💡 Norberts Tipp
Plane diese Woche einen 20-Minuten-Check ein. Suche auf Website, Google-Unternehmensprofil, Social Media, Flyern, Schaufensterbeschriftungen und eigenen Verpackungen gezielt nach Begriffen wie „nachhaltig“, „grün“, „umweltfreundlich“, „klimafreundlich“ und „klimaneutral“.
Markiere alles, was pauschal formuliert ist oder wofür Dir kein belastbarer Nachweis vorliegt. Bei rechtlich unklaren Fällen solltest Du fachkundigen Rat einholen.
Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine redaktionelle Orientierung und keine Rechtsberatung. Bitte lasse rechtlich unklare Einzelfälle fachkundig prüfen.
Quelle: IHK Düsseldorf, „Ab 27.09.2026 neue Regelungen im UWG: Greenwashing ade“; Handelsverband Deutschland, „EmpCo-Richtlinie: Regierungsfraktionen wollen unnötige Warenvernichtung verhindern“, 21.09.2026. IHK
Abgerufen am: 23.09.2026
2. Digitale Zahlungsmittel: Eine Akzeptanzpflicht ist im Gespräch – aber noch nicht geltendes Recht
Die Meldung
Am 16. September reagierte der Handelsverband Deutschland auf bekannt gewordene Eckpunkte aus dem Bundesfinanzministerium zu Kartenzahlungen. Nach Angaben des HDE steht eine Verpflichtung von Gewerbetreibenden zur Akzeptanz mindestens eines digitalen beziehungsweise unbaren Zahlverfahrens im Raum. Einzelhandel
Der HDE lehnt eine solche Pflicht ab und argumentiert unter anderem mit zusätzlichen Kosten und Bürokratie. Zugleich verweist der Verband darauf, dass im Einzelhandel bereits in sehr vielen Fällen sowohl Bar- als auch Kartenzahlung angeboten werden. Einzelhandel
Wichtig: Dabei handelt es sich um eine politische Diskussion beziehungsweise ein Vorhaben – nicht um eine bereits allgemein geltende neue Händlerpflicht.
Was das für lokale Händler bedeutet
Für Händler, die ohnehin Kartenzahlung anbieten, entsteht kurzfristig kein unmittelbarer Umstellungsdruck. Trotzdem lohnt sich die Diskussion, weil Zahlungsarten längst Teil des Kundenerlebnisses sind.
Für kleinere Geschäfte ist deshalb weniger die Frage „Karte ja oder nein?“ entscheidend, sondern: Welche Zahlverfahren werden tatsächlich genutzt, was kosten sie und entstehen an der Kasse unnötige Reibungen?
💡 Norberts Tipp
Schau Dir eine aktuelle Monatsabrechnung Deines Zahlungsdienstleisters an. Prüfe Gebühren, Mindestkosten, Terminalmiete und die tatsächlich verwendeten Kartenarten.
Dann stelle Dir zwei Fragen:
Welche Zahlarten wünschen meine Kunden wirklich?
Und zahle ich möglicherweise für Funktionen, die ich kaum nutze?
Quelle: Handelsverband Deutschland, „Digitale Zahlungsmittel: Handelsverband lehnt Akzeptanzpflicht ab“, 16.09.2026. Einzelhandel
Abgerufen am: 23.09.2026
3. Transport und Logistik werden teurer
Die Meldung
Das Statistische Bundesamt meldete am 18. September, dass die Erzeugerpreise für Dienstleistungen im zweiten Quartal 2026 um 3,7 Prozent über dem Vorjahresquartal lagen. Besonders stark stiegen die Preise im Bereich Verkehr und Lagerei mit 6,2 Prozent. Statistisches Bundesamt
Der Straßengüterverkehr verteuerte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,8 Prozent, Speditionsleistungen um 6,2 Prozent. Destatis nennt unter anderem höhere Treibstoff-, Energie- und Personalkosten als Ursachen. Statistisches Bundesamt
Was das für lokale Händler bedeutet
Auch wenn ein einzelnes Geschäft keine eigene Logistikabteilung hat, können höhere Transportkosten schrittweise in Einkaufspreise, Lieferzuschläge oder Mindestbestellwerte einfließen.
Gerade bei Produkten mit niedriger Marge kann ein scheinbar kleiner Kostenanstieg die Kalkulation stärker treffen als erwartet. Für Händler mit vielen kleinen Nachbestellungen kann deshalb auch die Bestellstruktur relevant werden.
💡 Norberts Tipp
Prüfe bei Deinen wichtigsten Lieferanten die letzten drei Rechnungen: Haben sich Frachtkosten, Zuschläge oder Mindestbestellwerte verändert?
Wenn ja, rechne nicht nur den Einkaufspreis des Produkts, sondern die tatsächlichen Beschaffungskosten je Bestellung. Eventuell lohnt es sich, Bestellungen stärker zu bündeln oder Mindestbestände bei schnell drehenden Artikeln neu festzulegen.
Quelle: Statistisches Bundesamt, „Erzeugerpreise für Dienstleistungen im 2. Quartal 2026: +3,7 % zum Vorjahresquartal“, Pressemitteilung Nr. 329 vom 18.09.2026. Statistisches Bundesamt
Abgerufen am: 23.09.2026
⭐ Norberts Tipp der Woche
Nicht jede neue Entwicklung verlangt sofort eine große Strategieänderung. Aber drei kleine Prüfungen können diese Woche sehr sinnvoll sein:
Prüfe Deine Umweltwerbung.
Prüfe Deine Zahlungskosten.
Prüfe Deine tatsächlichen Beschaffungskosten.
Die Leitfrage für diese Woche lautet:
„Welche scheinbar kleine Kosten- oder Rechtsposition habe ich in meinem Geschäft schon länger nicht mehr systematisch überprüft?“
Autor: Norbert Bauer | Lokales Marketing24
Mit KI-Unterstützung erstellt und von Norbert Bauer redaktionell eingeordnet.
Redaktionelle Metadaten
Kategorie: Einzelhandel Kompakt
Schlagwörter: Einzelhandel, Händlerpflichten, lokales Marketing, Greenwashing, Kartenzahlung, Kostenentwicklung